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Joachim K. Sacharow
Turbulente Ferien
Juli 1963 – nichts ist unmöglich.
Paperback, Format 135 x 215 mm,
260 S.; 2012; EUR 15,00;
ISBN: 978-3-935421-96-6

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»Jugend - Nichts ist unmöglicht«

Der Bauernhof des Opas war der reinste Abenteuerspielplatz für Joachim und seine Freunde. Aber richtig ging es los, als er als 11-jähriger mit seinen Freunden in den Sommerferien 1963 auf seinem hochgetunten ›3-Gang Sportfahrrad‹ mit den im Wind wehenden Fuchsschwänzen am Gepäckträger zum 3-wöchigen Campingurlaub an die Weser fuhr.
Plötzlich kenterten dort Ruderboote, Leiterwagen kamen auf wundersame Weise auf ein Scheunendach, die Zugmaschine eines Schaustellers gab ihren ›Geist‹ (Motorschaden) auf und diverse andere unerklärliche Dinge passierten!
Dieses Buch bietet für Leserinnen und Leser ab 10 Jahren bis ins hohe Alter amüsante Unterhaltung. Manch älterer Leser fühlt sich bestimmt in seine Kindheit zurückversetzt und kann seine Enkel animieren, die Finger vom Computer mit den Worten zu nehmen: Lese das Buch, ähnliche Streiche habe ich auch gemacht. Langweilen wirst du dich bei der Lektüre nicht!







Leseprobe

Ich bin gewählter Häuptling unseres kriegerischen Indianer-Stammes und trage mit Stolz den vielsagenden Namen: ›Schon-3-Haare-unter-dem-Bauchnabel‹! Die 3 Federn für meinen Kopfschmuck hatte ich dem Hahn meines Opas ausgerissen, als der Gockel im Hof wieder einmal die Hennen bis zur Erschöpfung jagte. Noch mehrere Tage nach der Prozedur begann der Hahn aus Protest erst um 08.00 Uhr mit seinem ›Kikeriki‹, dann schmollte er nicht mehr und begann wieder pünktlich um 04.00 Uhr in der Nacht mit seinem Krakele. Noch Wochen später brauchte ich nur in die Nähe vom Bauernhof kommen, dann vergaß der Radau-Macher die Hennen, flüchtete mit lautem ›Kikeriki‹ in die Scheune und verschanzte sich hinter Strohballen. Ich hatte den Krawallmacher in Verdacht, dass er die Ledersitze der Kutsche (Opas ganzer Stolz, sie stand in der Scheune und nur zu besonderen Anlässen wurde der Gaul ›Max‹ für eine Ausfahrt davorgespannt) aus Rache vollgeschissen hat, denn vor seiner ›Rupfung‹ war nie Hühnerscheiße auf den Sitzen.
Mit meinem Stamm hatte ich ein riesiges Gebiet unter Kontrolle. Aber genau wie unsere armen ›roten Brüder‹ in Amerika fiel ein Teil unseres Landes der unersättlichen Raffgier des ›weißen Mannes‹ zum Opfer. Eines Tages kamen die Bleichgesichter mit riesigen Baumaschinen und durchschnitten unser Land. Allerdings bauten sie keine Eisenbahn, sondern eine breite Straße, die Autobahn von Bremen nach Hannover.
Ganz kampflos wollten wir unser Gebiet nicht abgeben und so habe ich am Lagerfeuer meinen tapferen Kriegern einen Teil des von mir entworfenen genialen Plans bekanntgegeben.
Mein Bruder war wie immer von meinen Vorschlägen so beeindruckt, dass er sofort in Omas gute Stube laufen wollte, um aus einer von Opas gutbestückten Zigarrenkisten eine weitere Zigarre zu borgen (klauen), damit wir unseren Pakt nach alter indianischer Sitte ›unter Dampf‹ beschließen konnten.
Im letzten Moment konnte ich ihn an den Trägern seiner Lederhose festhalten, denn wenn er von Oma oder Opa geschnappt würde, dann könnte ich meinen Plan aufgeben.
Folgendes hatte ich vor: Alle Stammes-Mitglieder sollten bei sich zu Hause sämtliche Schränke und Schubläden nach roten Tüchern und anderen roten Textilien absuchen und sie morgen mitbringen. Egal was, Hauptsache ›Rot‹.
Am nächsten Nachmittag hatten wir eine stattliche Anzahl roter Textilien. Darunter waren Geschirr- und Handtücher, sowie eine Unmenge von Topflappen. Ein kleines Mädchen verfolgte heulend einen meinen Krieger (ihren Bruder) bis zu unserem Lagerplatz, nur weil er ihr das rote Lieblingskleid ausgezogen hatte und sie jetzt in weißen Socken und dunkelblauer Unterwäsche laufen musste. Nicht auszudenken wenn ihre Socken und Unterwäsche auch noch ›Rot‹ gewesen wäre. Ein anderer tapferer Krieger warf den frischgewaschenen roten BH sowie einen roten Slip seiner Mutter, den er vor Minuten im Garten von der Wäscheleine geklaut hatte, auf den immer größer werdenden Haufen. Sogar eine riesengroße rote gehäkelte Tischdecke war dabei. Die haben wir einfach halb durchgeschnitten, die immer noch großen Hälften werden erst ganz zum Schluss zum Einsatz kommen. Der erste Teil des ausgereiften Plans war gelungen, vom Rest wussten meine tapferen Krieger zu dem Zeitpunkt noch nichts.
Zur Tat: Von unserem Platz aus gingen wir mit unserem Gepäck in Richtung der Groß-Baustelle. 100 Meter davor haben wir das erste Tuch gut sichtbar an einen Weidepfahl gebunden. In 50-Meter Abständen haben meine tapferen Kriegern nach meiner Anweisung die anderen Textilen nach dem gleichen Schema angebracht. Man konnte von einem Tuch zum anderen sehen. So legten wir zu Opas Bauernhof eine Spur direkt in den Stall, wo der wilde Stier hauste. Die durchgeschnittene Tischdecke haben wir dem Stier noch nicht gezeigt, die wollten wir ihm erst aus sicherer Höhe von den oberen Querbalken des Stalls vor die Nase halten, wenn wir seine Ketten gelöst hatten.
Der Stier wird dann lostoben als wenn sein Hintern mit Honig eingeschmiert ist und ein ganzer Bienenschwarm samt dicken Fliegen daran klebt. Ganz automatisch wird er den roten Tüchern folgen und mit Höchstgeschwindigkeit, voller Wut im Bauch, wild schnaufend auf der gut 2 km entfernten Baustelle ankommen. So wie mein Opa mir den Stier oft genug beschrieben hat, wird er dort schon für einen längeren ›Baustopp‹ sorgen. Wenn wir ganz großes Glück haben, dann tragen einige Bauarbeiter sogar rote Hemden!
Wir näherten uns ganz vorsichtig dem Stier in seiner Bucht. Laut schnaufte der Koloss und sah uns misstrauisch an. Unsere Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Ich als Häuptling musste Mut beweisen und mit gutem Beispiel vorangehen. Vorsichtig näherte ich mich mit dem Schraubenschlüssel seinem Schädel um ihn von der Kette an der Nase zu befreien. Wieder schnaufte das Viech, sodass meine Lederhose am Hintern flatterte und ich die schmalen Schultern breiter machte, sonst wären mir die schweinsledernen Hosenträger heruntergerutscht und ich würde halbnackt durch die Gegend laufen wie die kleine Schwester meines Kriegers.
Einer meiner Krieger hatte ihn schon von der Kette am rechten Hinterfuß befreit und der andere war mit Schweißperlen auf der Stirn am Vorderhuf am arbeiten. Nichts anderes konnte uns in dieser Situation ablenken. Dachten wir jedenfalls.
Plötzlich hörte ich die dunkle Stimme meines Opas hinter mir und sah mich um. Opas Enden seines gezwirbelten Schnurrbarts hüpften auf und ab wie die kaputten Segel eines Dreimastschoners bei Orkanstärke ›12‹ mitten auf dem Ozean.
»Ihr Halunken, geht sofort vom Stier weg«, brüllte er aus Leibeskräften und sah auf die immer noch zusammengerollte Tischdeckenhälfte in der Hand eines Kriegers, der bereits in sicherer Höhe auf einem Querbalken saß und auf seinen Einsatz wartete. Dann drehte Opa sich um und sah die zweite, schon ausgebreitete Hälfte der Tischdecke am Seitenausgang des Stalls an der offenen Tür hängen.
Scheinbar muss Opa einen fürchterlichen Verdacht gehabt haben, denn nachdem er uns aus dem Stall gejagt hatte, ging er durch die Seitentür und sah wenige Meter entfernt am Kastanienbaum das nächste rote Tuch. Opa ging die wenigen Schritte zum Baum und schaute über den Feldweg. Dort wehte der Wind in den großen Körben eines roten BHs an einem Zaunpfahl.
Meine Oma Friederike kam zu allem Überfluss angesaust und sah entsetzt zum anderen Kastanienbaum. Dort hatte ein Krieger den roten Slip seiner Mutter verloren. Oma kannte solche Wäsche überhaupt nicht, sie trug nur riesengroße, weiße Schlüpfer aus reiner Baumwolle, die wir immer auf der Wäscheleine bewundern konnten. Oma rief entsetzt: »Was ist denn das?«
Mein Opa kannte solche Teile eventuell aus seiner Soldatenzeit im 1.Weltkrieg, wenn er in seiner Freizeit mit den Kameraden gewisse Straßen besuchte, um auch das ›kulturelle‹ Leben in der französischen Stadt kennen zu lernen.
Mit zitterndem Bart und Schweißperlen auf der Stirn schickte Opa meine Oma schnell ins Haus.
Ich kann nicht sagen wie er darauf gekommen ist, aber irgendwie ahnte er meine Absicht mit den Tüchern.
Das Ende vom Lied: Ich bekam eine fürchterliche Abreibung in der Diele von ihm, sodass mir 2 meiner Federn aus den Haaren flogen. Meine ›Krieger‹ haben sich zuvor in sämtliche Himmelsrichtungen davongemacht!
Ein anderer kriegerischer Tag und der Grund warum es bei uns zur Abendbrotzeit schellte:
Am Bauernhof meines Opas führt ein Feldweg vorüber. Viele Kinder benutzen ihn auf ihren Schulweg als Abkürzung. Wenn ich mit meinem ›Stamm‹ auf Kriegspfad bin, dann nehmen wir praktischer weise an einer bestimmten Stelle des Weges Wegezoll. Wer nichts für uns Verwendbares bei sich trägt, den lasse ich von meinen Kriegern an den Marterpfahl binden, in diesem Fall ein 2 Meter dicker Eichenbaum. Die Eiche hat in 5 Metern Höhe einen gewaltig dicken Ast, gute 8 Meter wächst er parallel zum Erdboden. Der Baum ist ein prima Spielplatz. Wir klettern ewig in ihm herum und seilen uns mit Stricken, die wir uns aus Opas Geschirr-Raum ausgeliehen (geklaut) haben, von den Ästen ab. Unter dem dicken Ast glimmt stets unser Lagerfeuer, dort rösten wir Kartoffeln, aber meistens bedienten wir uns der Einfachheit halber aus Omas gutgefüllter Speisekammer und verfeinerten die Speisen über unserem Feuer. Einmal haben wir eine Mettwurst geklaut und über dem Feuer geröstet. Mit langen Zähnen haben wir die Wurst später trotzdem gegessen, obwohl sie nicht mehr schmeckte. Ein anderes Mal haben wir aus Omas Räucherkammer von einem Schinken ungefähr 2 Kg abgeschnitten und auf unserem Feuer veredelt. (Tiere wurden auf dem Hof geschlachtet und nach der Zerteilung in der großen Waschküche zu Wurst und anderen Delikatessen verarbeitet). Auch der Schinken schmeckte nicht mehr so richtig, trotzdem würgten wir das verkohlte Zeug hinunter, denn ein Indianer kennt keinen Schmerz!
Nicht jeder Lausejunge wurde als vollwertiger Krieger in meinem Stamm aufgenommen, es mussten vorher mehrere Mutproben bestanden werden. Eine davon war äußerst brutal: Gegen den unter Strom stehenden Weidezaun pinkeln mit dem mein Opa seine Kühe und die anderen Viecher (bis auf den Stier) auf der Weide in Schach hielt. Der Stromstoß geht wie eine 5-Zentimeter Haubitze durch den ganzen Körper. Wenn der Urinstrahl den Draht trifft, dann lässt er auch bei ganz harten ›Bewerbern‹ für unseren Stamm einen Moment die kurzen Haare senkrecht aus der Kopfhaut stehen. Einige Bewerber mussten den ›Pinkeltest‹ mehrmals wiederholen, denn sie schmissen sich als sie den Draht trafen ›grundlos‹ ins Gras und zappelten wie eine auf dem Rücken liegende Schildkröte am dritten Tag in der prallen Mittagssonne. Wer in unserem ›Stamm‹ als vollwertiger Krieger aufgenommen wurde, hat zuvor schon so einiges mitgemacht und ist berechtigt eine Feder im Haar zu tragen, obwohl ihm noch kein einziges Haar unter dem Bauchnabel wächst.






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