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Stella Baum
Kunst ist unwiderstehlich

Feuilletons
Herausgegeben von Marlene Baum und Donat de Chapeaurouge
November 2011, Euro 15,00 [D]
Englische Broschur, 188 S.
ISBN: 978-3-935421-76-8


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Eine verlockenden Lektüre

Stella Baum – eine Frau voll Witz und Ironie und einem beneidenswerten Schreibtalent, das sie erst in fortgeschrittenem Alter nutzte. Dann aber gleich für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, den SPIEGEL, EMMA und den Fischer Verlag.
Mit Neugierde schaute sie in die Nischen der Gesellschaft, hinterfragte Tabuisiertes und Ungewöhnliches, schrieb über Tod und Prostitution.
Entscheidend waren die Begegnungen mit der zeitgenössischen Kunst, die Freundschaft mit Künstlern der Avantgarde, ihren Galeristen und Museumsleitern. Stella und Gustav Adolf Baum förderten Künstler wie Joseph Beuys und Klaus Rinke – nicht nur durch Ankäufe –, als deren Werke noch weitgehend unbekannt waren.
Der Kauf von Kunst war Stella Baum wichtiger als der Erwerb einer ersten Waschmaschine. Die Erlebnisse mit Künstlern und Galeristen sind höchst amüsant zu lesen. Sie vermitteln einen lebendigen Blick auf die Zeit der sechziger und siebziger Jahre, als die deutsche Kunstavantgarde, sowohl die heutigen »Großmeister« als auch ihre Galeristen, laufen lernte.

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Buchauszug als Leseprobe
(pdf-Datei)






Wenn die Post kommt – und sie kommt täglich so gegen zehn – erleichtert sie sich in meinem Briefkasten um mehrere Kilo werblichen Druckereimülls, zumeist in Hochglanz. Ein Vorgang, der nicht zuletzt Schuld trägt am allmorgendlichen depressiven Tageseinstieg.
Wie anders lebt es sich, wenn die Post einen guten Tag hat! Dann überbringt sie eine Sendung mit dem Gütesiegel »Stella Baum«.
Vielleicht ein Text der scharfsinnigen Journalistin, vielleicht klärende Gedanken zu einem gemeinsamen Problem, vielleicht aber auch ein feinster, selbstgebackener Kuchen in meisterlicher Verpackung und schon geht die Sonne auf ...


Loriot



Leseprobe



Vorwort (Auszug)

von Donat de Chapeaurouge

Vorwort Im SPIEGEL erschien am 5. November 1979 eine Titelgeschichte über Joseph Beuys mit dem Kopf des Künstlers auf der Umschlagseite und der reißerischen Unterschrift: »Der Größte. Weltruhm für einen Scharlatan?« Im Text bemühte sich Jürgen Hohmeyer, die Vorurteile des Publikums gegenüber der Kunst von Beuys zu zerstreuen, indem er eindringlich die Stationen seines Weges nachzeichnete und die Würdigung des Deutschen im New Yorker Guggenheim-Museum als Beweis für seine aktuelle Hochschätzung in der Weltkunst anführte. Die Biographie des Mannes vom Niederrhein wurde ausführlich geschildert und der Bezug der Werke auf sein Leben einprägsam gezeigt: »Die Kunst soll Leben werden, und zu diesem Zweck wird das Leben erst einmal Kunst.« Die »Aktionen« von Beuys, die Zusammenstöße mit Johannes Rau, die Vorliebe für Fett und Filz wurden referiert, um schließlich im »Gespräch« seinen Einstieg bei den »Grünen« zu erforschen. Man kann den seitenlangen Beitrag Hohmeyers als perfekt bezeichnen, und doch stellt ihn ein nur zweispaltig eingeschobener Artikel von Stella Baum in den Schatten, weil hier ohne jede Scheu aus dem Nähkästchen geplaudert wird. Die »Erfahrungen mit Joseph Beuys« berichten u.a. von seiner sonst nirgends erwähnten Pullman-Limousine, in der das Ehepaar Baum 1963 nach Kranenburg chauffiert wurde. Als Beuys auf der documenta für »direkte Demokratie« warb, signierte er in Gedanken an Baums eine Tüte mit eigenen Schriften als »Joseph Baum«. All diese kleinen Marotten und schnoddrigen Sprüche lassen den Leser den berühmten Beuys so menschlich erleben, wie es nur bei intimer Nähe möglich ist. Zugleich zeigt sich die Stärke Stella Baums: eine Geschichte so zu erzählen, dass die Pointe unerwartet kommt und dadurch umso stärker wirkt.

Ein paar Jahre später schrieb Stella Baum im Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen großen Artikel über »Die frühen Jahre mit Joseph Beuys«. Die Redaktion hatte den Text wunderbar gedruckt, denn er erschien auf rotem Grund und war gerahmt von Silhouetten des großen Heinz Edelmann in Blau, Grün und Gold. Markanter konnte man einen Beitrag nicht präsentieren. Hier erzählt sie ausführlich von den ersten Begegnungen mit dem Künstler. Im Stall von Kranenburg war Spielzeug ausgestellt, und man konnte einen Katalog kaufen, der 5 Mark kostete: »Zahlte man noch vierzig Mark dazu, so durfte man sich eine Originalzeichnung von Beuys aussuchen.« Diese Zahlen spiegeln das Niveau, auf dem die Baums Kunst erwerben konnten. Ein Händler sagte später, dass dem Ehepaar der Ruf vorausging, nur Werke unter tausend Mark zu kaufen. Der Düsseldorfer Händler Schmela wurde kurz und treffend vorgestellt: »Er liebte seine Künstler und die Kunst, als Kaufmann fehlte ihm dafür jegliches Talent.« Als Stella Baum den »Stuhl mit Fett« zu Hause hatte, galt sie bei Wuppertalern als verrückt. Das Objekt erweckte sogar Zorn, und ein Besucher drückte aus Gemeinheit in das Fett ein Geldstück. Doch ganz kritiklos blieb die Würdigung von Beuys natürlich nicht, und so erzählte die Autorin, dass auf der documenta 1982 die von Beuys installierten Basaltsteine über Nacht von bösen Buben rosa angestrichen worden waren. Beuys war nicht belustigt, sondern höchst empört. Als Stella Baum das Pink »ganz attraktiv« fand, entsetzte Eva Beuys sich über solchen Frevel.

Der Galerist Rolf Jährling war in Wuppertal der Propagator aktueller Kunst. Er scheute sich auch nicht, »umstrittene« Künstler wie Nam June Paik zu präsentieren, und er war der Ver­anstalter des legendären »24-Stunden« Happenings. Dies alles fanden Baums erregend und nahmen es als Zuwachs von Erfahrung, denn: »Man muss sich hüten, Happening mit Chaos und spontaner Zer­­störungswut zu assoziieren. Wenn etwas zerstört wird, so ist es geplant.« Das »24-Stunden« Happening, das in der Galerie Parnass begangen wurde, endete mit einem Frühstück bei Baums, weil ihr Haus den progressiven Künstlern als das Wuppertaler Zentrum galt.

Kontakte zu Museumsleuten waren selbstverständlich für die Baums. Sie kannten nicht nur Günter Aust in Wuppertal (der oft mit interessanten Künstlern überraschend ihre Gastfreundschaft erbat), sondern auch Werner Schmalenbach in Düsseldorf und Paul Wember in Krefeld. Kontakte nutzten sie zu Schmela und bekannten Händlern aus dem Rheinland, so dass Stella Baum es wagen konnte, über etliche von ihnen etwas Biographisches zu schreiben. Leider kam sie auf die Idee, ihr Manuskript den Herren vor der Drucklegung zur Prüfung vorzulegen. Das Ergebnis war vorauszusehen: die Texte wurden nicht nur redigiert, son­dern zum Teil ganz neu geschrieben (nicht zum Vorteil für die Kunstgeschichte). Insofern ist nur das Vorwort ein Produkt von Stella Baum. In diesem Text bekannte die Autorin: »Der Umgang mit Kunst, der sich anbahnte, wurde unwiderstehlich. Er hat schließlich meine Existenz weitgehend geprägt, ist ein glücklicher Teil meines Lebens geworden.« Die Außenseiterin war so begeistert bei der Sache, dass sie die Schwebebahn in Wuppertal verpacken lassen wollte, wofür Christo schon die Zusage gegeben hatte. Auch der Stoff war bereits angeschafft, jedoch die Stadt verbot das Großereignis. Im Haus der Baums am Boltenberg, einem Bau des Architekten Heinrich Plange von 1902/03 im englischen Landhausstil, fotografierte Lord Snowdon Stella Baum inmitten der 41 Schafe von Nicholas Monro. Die Villa strahlt noch heute so viel vergangene Kultur aus, dass sie von Filmern als Kulisse gern genutzt wird. Bei Achtundsechzigern hingegen wirkte dieses Ambiente wie der Klassenfeind. Ein Journalist, der Stella Baum zu ihrem Kunstbesitz befragen wollte, sagte spitz: »Sie wohnen aber herrschaftlich!« So zählte man die Baums nun abschätzig zum »Establishment« und zweifelte an ihrer ehrlichen Begeisterung für die moderne Kunst. Hinzu kam noch ein Grund, die Kunst­mäzenin zu miss­achten. Es war ja schon die Rede von dem Preis­niveau, auf dem hier Kunst erworben wurde. Das war nur möglich, wenn man sich auf junge Künstler konzentrierte. Sobald Berühmtheit Preise in die Höhe schnellen ließ, war für die Baums der Künstler nicht mehr attraktiv. Gerade Wuppertaler Maler zeig­ten sich enttäuscht, wenn ihre Bilder nur am Anfang der Karriere Interesse fanden, bei angestiegenem Niveau der Preise aber Ablehnung erfuhren.
Von historischer Bedeutung ist Stella Baums Bericht »Eine ganz normale Jugend«, der schon durch seine Titelgebung zeigt, dass man im Dritten Reich vom »BDM« (Bund deutscher Mädel) bis zum Arbeitsdienst alles mitzumachen hatte. Dabei stammte das Kind aus einer wohlhabenden Familie in Köln, wuchs aber nach dem Tod des Vaters mit dem zweiten Ehemann der Mutter in Wuppertal auf.
Stella Baum musste dann beim Arbeitsdienst als Melkerin und Putzfrau Bauernfrauen unterstützen, was der »Volksgemeinschaft« nützlich war. Im Krieg war sie in Wuppertal bei Bayer tätig, damals »I. G. Farben« genannt. Ihr Vorgesetzter Gerhard Domagk hatte 1939 den Nobelpreis zwar zuerkannt bekommen, durfte ihn aber nicht entgegen nehmen, weil es den Nazis nicht gefiel.
Glücklicherweise hat Stella Baum einen Rechenschaftsbericht geschrieben, der ihre Zeit als Vorstandsmitglied im Wuppertaler Kunst- und Museumsverein umfasst. Hier sind nicht nur amüsante Zwischenfälle bei der Vorbereitung von Ausstellungen notiert, hier glänzt die Autorin auch in ihrer Rolle als ungenierte Gesprächspartnerin berühmter Leute wie beispielsweise des Tate-Direktors Sir John Rothenstein.
Der große Bereich von Artikeln zur Kunst der Gegenwart, zur eigenen Sammlung und zum Ausstellungsbetrieb in Wuppertal ist wohl in der Öffentlichkeit am meisten beachtet worden. Jedoch gibt es ein zweites Thema, das die Autorin immer wieder sarkastisch aufgespießt hat: das Verhältnis von Frauen zu Männern. Der Vorrang liegt dabei auf »Frauen«, denn ihre Unterordnung wird immer wieder attackiert. Wundervoll ironisch schildert »Die Pensionierung« die herkömmliche Rangverteilung an dem Beispiel ihrer eignen Situation: ihr Mann erhält eine Abschiedsfeier, zu der »Träger hoher Würde und bedeutender Bürde« erwartet werden. In Gedanken malt sich die Ehefrau eine andere Abschiedsfeier aus, nämlich die für sie selbst. Ich gestehe gern, dass ich gerade diese »Story, die langweilig anfängt« als ein kleines Meisterwerk betrachte.
Diesem Beitrag folgen kleine, amüsante Sticheleien. Eine Gegenüberstellung von zwei Anzeigen für den Vatertag (drei Tage London) oder Muttertag (Tagesfahrt mit Picknick) reicht aus, um den Kontrast im Kommentar noch auszuweiten.
Der »Mann im Lexikon« ist ein Artikel aus der »EMMA« Alice Schwarzers. Der »Mann als solcher« wird in Lexikonartikeln, sei es Brockhaus oder Duden, nachgeschlagen bei Erscheinungsdaten zwischen 1815 und der Gegenwart. Dabei wird der Abstieg deutlich: Setzte man zu Anfang selbstverständlich Mann gleich Mensch, eroberte die Frau sich immer mehr Bedeutung, bis die Partnerschaft von Mann und Frau zur Gleichberechtigung erwuchs.
Das führt nun schon zu der »Vertreibung aus dem Paradies«, worin die unvoreingenommene Lektüre von »Moses 1 bis 3« erfolgt.
Diese Glossen sind in einer Zeit geschrieben, in der die Vorherrschaft des Mannes ungebrochen war, ja, auch in Wuppertal patriarchalisch hochgehalten wurde. In ihrem eigenen Haus erlebte Stella Baum, wie wenig man von Frauen hielt. Es war im Mai 1979, als Gründungsrektor Rainer Gruenter für die Gespräche zwischen Professoren seiner Universität und Herren aus den Chef­etagen das Haus am Boltenberg bestimmte. Der Hausherr Gustav Adolf Baum gehörte zu dem Arbeitskreis, der sich von Zeit zu Zeit zum Kennenlernen beider Seiten traf. Die Eingeladenen be­grüßten an der Haustür Stella Baum und dankten ihr mit obligatem Blumenstrauß. Doch dann war schon ihr Part zu Ende: Sie hatte einfach zu verschwinden. An diesem Abend hatte ich als Kunsthistoriker die Arbeit meines Faches zu erklären, und ich trug der lokalen Szene Rechnung, indem ich Wuppertaler Kirchen als Thema meines Seminars benannte. Ich würdigte die Einrichtung des Fachs in Wuppertal und sagte zu, die Kunst der Gegenwart in Lehrveranstaltungen gebührend zu berücksichtigen. Überraschend hielt darauf der Kanzler der Gesamthochschule, der seinerseits zum ersten Mal in diesem Kreis erschienen war, ein vehementes Plädoyer für die Vergangenheit, wobei er sich besonders auf die Literatur bezog. Die Kunst der Gegenwart sei doch bei dem Vergleich mit den Romanen Thomas Manns, Franz Kafkas oder Marcel Prousts ein trauriges Kapitel. Ich hielt ihm Günter Grass entgegen und erwähnte Pina Bausch, die doch be­reits auf Welterfolge pochen könne. Es war dem Kanzler offenkundig nicht bewusst, wie sehr es als Fauxpas zu werten war, gerade in dem Hause Baum die aktuelle Kunst zu denunzieren. Inmitten der Kunstwerke von Joseph Beuys, Klaus Rinke oder Reiner Ruthenbeck das Neue zu verachten, war schon ein starkes Stück: Die Herrenrunde schwieg befremdet.
In diesem Wuppertal der Rückgewandtheit wagte Stella Baum, die wirklich eine Dame der Gesellschaft war, sogar den Abstieg in die Niederungen des Milieus. Sie suchte ein Bordell auf, das sich als »Palais d’Amour« bezeichnete, und sprach von Frau zu Frau mit den hier tätigen Geschöpfen. Ihre Erwartungen an kinomäßig aufgemotztes Interieur mit ganz verruchten Typen wurden nicht erfüllt. Stattdessen entpuppten sich die »Damen« als nur am schnel­­len Geld Interessierte, die Routine über alles stellten.
Die Neugier trieb nun Stella Baum auch zu dem männlichen Pendant, »Gesellschafter« genannt. Die Herren pflegen »Glückliche Stunden« für die Dame anzubieten. Ihr Ansprech-Exemplar ist gern bereit, Intimitäten mitzuteilen, so etwa die, dass er die Partnerinnen erst mal unauffällig mustere, ob sie auch zu ihm passten.
Soweit das Menschlich-Abgesunkene. Jedoch das Schöne wollte auch genossen sein, besonders wenn es die Natur geschaffen hatte. Als Herrin eines großen Gartens liebte Stella Baum die Rhododendren. Mit ihrem Mann zusammen war sie darauf aus, die wunderbarsten Gärten dieser Pflanzen selbst in Augenschein zu nehmen. Man wurde Mitglied in der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft und reiste ins gelobte Land, nach England. Jedoch die »tumbe Hausfrau«, wie sie sich gern untertreibend nannte, war wie immer ernsthaft interessiert, las sich ein und publizierte in den »Immergrünen Blättern« sachbezogen Exkursionsberichte. Für ein großes Publikum verfasste sie den Aufsatz »Schönheit im Halbschatten: Rhododendron.« Man liest darin höchst Wissenswertes über Herkunft und Verbreitung dieser Pflanzen, aber außerdem sind Schrullen reicher Lords und kurioser Gärtner auf­merksam notiert. Gerade diese Mischung macht das Meisterhafte aus, das auch ein klassisches Rezept der Kunst befolgt: Vergnügen sei mit Nutzen zu verbinden.
Wie sich ein Gartenarchitekt, der absolute Schönheit schaffen will, in Deutschland etablieren konnte, wird mit Begeisterung als »Ein Leben in Gärten« vorgeführt. Auch hier ist England Ur­sprungsland, und das schon mit dem 18. Jahrhundert. Der inter­viewte Roland Weber fühlt sich diesem Vorbild noch verpflichtet. Als Künstler sucht er ständigen Kontakt mit der Natur, so dass er selbst den Wohnraum des von ihm gebauten Hauses auf den Westen richtet, weil er die Dämmerung des Abends über alles liebt.
In Chantilly besichtigt Stella Baum das Pferdemuseum, das von dem Enthusiasten Yves Bienaimé geschaffen worden ist, und das zu Recht als Tempel angesprochen wird. Im Text beschreibt sie erst den Riesen-Marstall, der Pferde jeder Art, jedoch auch noch Museumsstücke aus dem Bereich der Reiterei enthält. Sehr instruktiv behandelt sie sodann den Bautyp »Marstall«, der im Barock ein integraler Teil des Schlossbaus war.
Die spät begonnene Beziehung Stella Baums zu Loriot verdient besondere Erwähnung. Spontan hat sie dem Hochberühmten ihre Bitte vorgetragen, ihr ein Interview zu geben. Und tatsächlich wurde sie erhört. Trotz absoluter Gegensätze – die Kunst nach 1950 scheint ihm »dürftig« – entlockte sie dem Künstler wirklich Interessantes: Er machte als sein Thema ganz präzise die Familie aus, wobei für ihn die tägliche Begegnung ganz plötzlich umschlägt in Konflikt. Die kleine Differenz erzeugt schon Katastrophen, und sie dann ungerührt zu präsentieren, macht den großen Witz.
Die Eigenart von Stella Baum zeigt sich besonders bei dem Aufsatz über »Villa Hügel«. Es fällt schon aus dem Rahmen, dass Alfred Krupps Gebäude unverhohlen positiv gewertet wird. Das Funktionale ist für die Autorin das Entscheidende, das diesen Bau von seinen zeitgenössischen Verwandten unterscheidet. Selbst Mängel wie die schlechte Heizung werden der ungenügenden Er­­fahrung zugeschrieben und die späteren Entstellungen des Ur­sprungsbaus gerügt als Schmälerung des großen Wurfs. Am Schluss (der hier der früher publizierten Fassung beigegeben ist) erinnert die Autorin sich des großen Eindrucks, den ihr die Führung durch den privaten Teil des Hauses hinterlassen hat. Hier wurde sie erinnert an den so heiß geliebten »Glamour« ihrer Jugend, den sie in diesem Bau mit seinem minimalen Schmuck bei unvorstellbar großen Maßen verbildlicht fand. Es war das an­­gemessene Milieu, in dem die Krupps wie Könige mit Kaisern oder Wirtschaftskapitänen von Gleich zu Gleich verkehren konnten.
Die weit gestreuten Texte der Verfasserin, die nicht nur Fakten referieren, sondern stets auch eigene Akzente setzen, werden zur verlockenden Lektüre. Denn auch, wo sie bewundert, scheut sie nicht davor zurück, auf Defizite hinzuweisen. Gerade im Detail erfasst sie jeweils das Reale, und das macht ihre Texte so bewundernswert.


Donat de Chapeaurouge


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Info:


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Stella Baum


Stella Baum, 1921 in Porz bei Köln geboren, ist in Köln und Wuppertal aufgewachsen. Nach dem Abitur arbeitete sie im Forschungslabor von Gerhard Domagk bei I. G. Farben. 1944 heiratete sie Gustav Adolf Baum, das Ehepaar hatte vier Kinder. In den 50er Jahren begannen die Baums eine avantgardistische Kunstsammlung aufzubauen, wozu selbstverständlich Kontakte zu Künstlern, Galeristen, Museen und Sammlern gehörten. Von 1970 bis 1979 war Stella Baum im Vorstand des Kunst­ und Museumsvereins Wuppertal. 1976 und 1980 publizierte sie die Bücher »Der verborgene Tod. Auskünfte über ein Tabu« und »Plötzlich und unerwartet. Todesanzeigen«. In der Folgezeit schrieb sie regelmäßig für das Frankfurter Allgemeine Magazin und andere Zeitschriften. 1976 wurden Stella und Gustav Adolf Baum zu den ersten Ehrenbürgern der neu gegründeten Bergischen Universität in Wuppertal ernannt.
Stella Baum starb 2006.

Material:

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Cover
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Foto Stella Baum
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